Rechtsanwalt Prof. Dr. Ronald Schmid  
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Handys an Bord

„Handy an Bord für alle“ – so lautet eine Nachricht, die derzeit in den Medien verbreitet wird. Mit dem Handy an Bord telefonieren zu können, das wird offenbar als die neueste „Errungenschaft“ der Menschheit betrachtet! Eine israelische IT-Firma will die erforderliche Technik jetzt in Flugzeugen einbauen. In kleineren Fluggeräten können dann bis zu 24 Gespräche, in größeren bis zu 96 Gesprächen gleichzeitig geführt werden. Bei kleineren Flugzeugen kann also die Hälfte der Passagiere, in größeren immerhin noch 1/3 zeitgleich telefonieren. Die Fluggesellschaften soll das nichts kosten, denn die Refinanzierung soll für das IT-Unternehmen durch Anteile am Umsatz der Telefongesellschaften erfolgen.

Und wenn es stimmt, dass die Passagiere nur ca. 1,- EUR pro /Minute zahlen müssen, wird das wichtigtuerische Nutzlos-Gequatsche, das am Boden (Bus und Bahn, Restaurant und Kaufhaus) schon jetzt allerorten zu hören ist, dann auch an Bord von Flugzeugen einsetzen. „Also ich lande dann in 45 Minuten… “, „Frau Meier smsen Sie mir noch mal alle Quartalergebnisse 2007…“ usw. Solche und andere unnötige Sprechblasen werden dann von Mr. und Mrs. Wichtig produziert werden. Wer nicht ahnt, was da auf uns zukommt, sollte gelegentlich mal ICE fahren. Nur: Im ICE hat man wenigstens die Möglichkeit, sich in eine „handyfreie Zone“ zu flüchten: An Bord eines Flugzeuges wird das nicht gehen.

Eines der letzten handyfreien Refugien fällt. Nur Industriespione werden sich freuen: Sie müssen sich nur noch das richtige Ticket kaufen, um zu erfahren, was in bestimmten Firmen los ist. Denn über das Mobiltelefon werden allerorten so manche Firmeninternas von Yuppie-Manager(inne)n locker preisgegeben. Aber das muss sein, damit der Sitznachbar auch merkt, dass man wichtig ist … man fragt sich nur: Wie konnte eigentlich Manager vor 20 und mehr Jahren ohne Handy Ihr Unternehmen managen?

Und noch eines: Elektromagnetische Strahlungen sollen unterhalb des Schwellenwerts, bei dessen Überschreitung negative Auswirkungen auf die Bordelektronik möglich sind, gedrückt worden. Sagt man. Wohlgemerkt: Von Auswirkungen auf den menschlichen Körper wird nichts gesagt. Gesundheitsgefahren sieht man nicht oder besser: man will sie nicht sehen. Schließlich sind Handys harmlos, weil sie harmlos sein müssen. Denn wer will schon der Wirtschaft schaden?

Vielleicht folgt dem Rauchverbot bald auch ein Handyverbot in bestimmten Räumen – unter dem Gesichtspunkt des Gesundheitsschutzes. Ich würde es begrüßen. Und sei es nur um der lieben Ruhe wegen.

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