Einige Werbetexter erwecken gelegentlich den Anschein, als hätten sie nur die Grundschule besucht. Sie sind offensichtlich der festen Überzeugung, dass ihre Werbung (von „Werbebotschaft“ will ich gar nicht sprechen) besser von der Zielgruppe verstanden wird, wenn sie „Volkes Sprache“ verwenden. Und entsprechend wird dann getextet. Es fragt sich nur, was Henne und was Ei ist.

Unverständlich ist mir aber, dass diejenigen, die „Werke“ in Auftrag geben und bezahlen, also die Verantwortlichen in den jeweiligen Unternehmen, so unkritisch sind, dass sie das durchgehen lassen.

Auch Teile der deutschen Tourismusindustrie scheint die Verstümmelung der deutschen Sprache gut zu finden. Anders kann man sich nicht erklären, dass schwachsinnige und teilweise sprachlich falsche Texte abgenommen werden. Hier einige sprachlich-grammatikalische Verunglimpfungen, die ich in den letzten Wochen ohne große Mühe in Zeitungen und Zeitschriften gefunden habe.

„Türkei macht Spaß“ – so wirbt das Türkische Fremdenverkehrsamt für die Türkei als Urlaubsland. Spaß machen kann aber nur eine Sache, eine Tätigkeit o.ä. – aber ein Land? Doch auch Aussagen wie „Nilkreuzfahrten auf Ihre schönste Weise“ (Grand Cruises) oder „Neu bei TUI: Flugzeuge mit Pool“ (TUI) sind Verballhornungen der deutschen Sprache.

Aber es geht noch schlimmer: „Wir sprechen Deutsch, Englisch und freundlich“ ist die neue Werbeaussage der TUIfly. Wie bitte? Hat da niemand in Hannover gemerkt, dass der „Wir sprechen freundlich“ grammatikalisch so falsch ist, dass das eigentlich schon ein Hauptschüler merken dürfte?

Mit der sprachlich wenig gelungenen Aussage „Wir sind Preis-Leistungs-Flieger!“ will Germanwings sich als Billigflieger ins Bewusstsein der Verbraucher bringen. Wen es bei diesem Wortmutanten noch nicht schaudert, der sollte sich genüsslich eine Werbeaussage der Swiss auf der Zunge zergehen lassen. Offensichtlich inspiriert von der Weisheit des chinesischen Philosophen Kong Fu Zi lassen die Schweizer texten: „Die Weisheit eines Fluges liegt in der Balance von Preis und Komfort.“ Konfuzius würde es wohl schaudern: Kann ein Flug weise sein? Die Werbetexter waren es jedenfalls nicht.

Das ist kaum noch zu toppen – sollte man meinen. Aber es geht:

„Lassen Sie sich doch mal von Ihrem Traumziel weckenv wirbt die Lufthansa. Wie soll denn bitte schön ein Traumziel einen Reisenden wecken? Ich kenne nur einen Weg: durch ein Erdbeben oder einen Tsunami. Das aber ist doch wohl kaum gemeint!? Was denken sich Texter eigentlich, wenn sie texten?

Die Sprache ist ein Spiegel der Nation. Wenn wir in diesen Spiegel schauen, so kommt uns ein großes, treffliches Bild von uns selbst daraus entgegen“, meinte schon Friedrich Schiller treffend.

Obwohl er den „Beruf“ des Werbetexters noch nicht kannte, formulierte schon Arthur Schopenhauer bissig und treffend: „Das Schlimmste an der Sache ist, daß allgemach eine junge Generation heranwächst, welche schon kein anderes Deutsch mehr kennt als diesen verrenkten Jargon des impotenten Zeitalters, welches sich ein Gewerbe daraus macht, die deutsche Sprache zu demolieren.“ Wie wahr!

Noch schlimmer wird es, wenn „d-englische“ Begriffe verwendet werden. Denn wer sich von seinen Sprachwurzeln entfernt, verliert leicht auch den Bezug zu deren Inhalten. Nur so ist nämlich zu erklären, dass ein neues deutsches Luftfahrtunternehmen mit Sitz in Leipzig, das Fracht befördern und deshalb auf seine logistischen Leistungen verweisen will, „Aero Logic“ statt – richtig(er) – „Aero Logistics“ nennt. Dass Logik und Logistik nicht dasselbe ist, scheint denjenigen, die sich das ausgedacht haben, wohl nicht bewusst zu sein. Oder wird der Fehler einfach negiert, weil es doch so schön klingt? Das kann nur der Deutsche, der auch einen Amerikaner bittet, ihm sein „Handy“ zu leihen und sich wundert, dass dieser nicht versteht, was er meint.

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